iBeacons aka Bluetooth Smart: Die ersten Web-3.0-Dinge

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Die neue Wireless-Technik und ihr direkter Einfluss auf Print

Seit der Einführung von iOS 7 kommt eine neue Technik in die Hände von iPhone- und iPad-Besitzern, die mit nun erscheinenden Anwendungen so manches E-Business stark beeinflussen wird. Die Rede ist von iBeacons, auch unter dem Namen BLE (Bluetooth Low Energy) oder Bluetooth Smart bekannt. Bekanntlich hat Apple auch mit den gerade vorgestellten iPhones schon wieder auf NFC verzichtet – auf dieses Pferd will Apple wohl auch in Zukunft nicht setzen.

Ganz so neu ist BLE nicht, denn bereits 2011 hat Apple mit dem Macbook Air und dem Mac Mini die ersten BLE-fähigen Geräte überhaupt auf den Markt gebracht. Damals fiel wohl auch schon die Entscheidung gegen NFC auch für die iPhones. Ausdrücklich kommuniziert hat dies Apple jedoch nicht.

Neu ist allerdings, dass BLE jetzt auch von mobilen Betriebssystemen unterstützt wird und die ersten „Gegenstellen“, die so genannten iBeacons nun langsam im Markt auftauchen. Auch Google hat sich zu BLE bekannt und dies in Version 4.3 Jelly Bean von Android implementiert. OS X und Windows 8 unterstützen BLE ebenfalls. iOS 6 war übrigens schon eingeschränkt in der Lage, über BLE zu kommunizieren.

Die Hersteller fahren damit die Strategie, erst einmal eine kritische Masse BLE-fähiger stationärer und mobiler Geräte in Anwenderhände zu bringen, bevor die ersten massentauglichen Anwendungen dafür etabliert werden. Einer der beliebtesten Startpunkte für Entwickler ist Texas Instruments SensorTags Kit.

Was ist iBeacons/BLE/Bluetooth Smart?

Der Namensbestandteil Bluetooth sagt es bereits, diese Technik kommt nicht proprietär von Apple. BLE ist die Hauptneuerung der neuen Bluetooth 4.0 Spezifikation (hier eine technische Beschreibung) und erlaubt die wireless bidirektionale Datenübertragung über Distanzen bis maximal 50 Meter. BLE-Sensoren kommen dabei mit sehr wenig Energie aus, so dass eine Knopfzellenbatterie einen längerfristigen Betrieb gewährleistet. Smartphones und andere mobile Geräte können dann Beacons, „Dinge“, die über „BLE“ sprechen, auch innerhalb von Gebäuden lokalisieren und ihre Benutzer „ansprechen“, beispielsweise dorthin navigieren. Über Benutzerprofile interagieren diese BLE-Dinge dann mit dem Anwender und können etwa deren Bewegungsprofil aufzeichnen:

Zwar ist auch NFC (Near Field Communication) mit seinen stromversorgungsfreien Tags berührungslos, benötigt aber deutlich kürzere Distanzen. In der Praxis kommuniziert ein NFC-Device mit einem NFC-Tag (beispielsweise in einer Visitenkarte) sicher bis zu einem Abstand von vier Zentimeter.

BLE bewältigt in der Praxis Distanzen bis momentan etwa 12 Meter. Damit könnte eine Ladenfläche von 300 Quadratmeter mit etwa sieben Beacons abgedeckt und ein Benutzer bis auf ungefähr einen Meter genau lokalisiert werden. Dafür benötigt BLE wie gesagt aber im Gegensatz zu NFC auf beiden Seiten eine wenn auch geringe Stromversorgung. Die Datenübertragungsraten über das BLE-Protokoll sind nicht besonders hoch. Es reicht hauptsächlich zur Signalübermittlung und zum Streaming bei kleiner Bandbreite (<0,2 MB/s), nicht aber zum Tausch größerer Datenmengen wie vieler Bilder oder gar Videos.

Anwendungen für BLE

Erste Anwendungen im Konsumentenbereich sind etwa Fitnesstracker wie in Laufschuhen, Smartwatches, Sensoren zur Übermittlung von Blutzuckerwerten oder die Waage, von der aus eine App auf dem Computer oder dem Smartphone das aktuelle Körpergewicht protokolliert. Da auch Computer oder Smartphones selber zu iBeacons werden können, ist BLE eben auch zur Geolokalisierung in- und outdoor tauglich. Denkbar sind beispielsweise Anwendungen für Blinde, angepasste Touristikführer, POI/POS-Verknüpfungen und mehr.

Heißestes Thema: Digital Wallet mit BLE

Damit wird BLE auch zum nächsten und sogar aussichtsreichen Hype beim Thema Digital Wallet. Tatsächlich bringt BLE alles mit, was für Mobile Payment benötigt wird. Auf diesem Feld wird BLE möglicherweise NFC erledigen. Das Szenario, dass man einfach in einen Supermarkt geht, seine benötigten Waren einpackt und ohne Kassenaufenthalte einschließlich Warteschlange wieder zur Tür hinaus – bei letzterem erfolgt der kontaktlose mobile Zahlungsvorgang automatisch – ist mit BLE realistisch und bald in der Erprobung.

Erste iBeacons

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BLE Beacon der Firma StickNFind

Die ersten BLE-SmartTags sind bereits bestellbar. So bietet die Firma Roximity Beacon ab 10 US-Dollar/Monat eine Lösung für App-Entwickler einschließlich Beacon, hier kleinen Quadern von ca. 5x5x2 Zentimeter Abmessungen an. Aus Polen kommt Estimote mit einem Angebot zunächst nur auf Entwickler zu, bei dem drei „mote“ genannte Beacons für knapp 100 US-Dollar ausgeliefert werden. Bereits direkt an Endanwender geht das Angebot von StickNFind, mit dem man Haustiere, verlegte Schlüssel und alles, woran sich ihre BLE-Sticker anbringen lassen, orten kann. Und auf Crowd Sorcing Plattformen finden sich immer mehr Startups, die für ihre Beacon-Lösungen wie dieses Gesten-fähige Ding Kapital sammeln.

Neben diesen reinen Tags gibt es aber auch schon die Dinge, die BLE in ihre Funktion integrieren. Ein Gerät, das BLE nutzt, eignet sich sogar direkt für die Druckindustrie: Das Node+ Chroma von Variable ist ein Farbmessgerät für die Hosentasche zum Einsteigerpreis. Mit anderen als dem Chroma-Aufsatz misst das Node+ auch Luftfeuchte, Temperatur und anderes.

BLE, Beacons und E-Business Print

BLE schafft eine Verknüpfung zwischen Standort des Anwenders und E-Commerce. Damit kommt es grundsätzlich für entsprechende Geschäftsmodelle im E-Business Print in Frage. Denkbar ist beispielsweise standortbezogener Pull- oder Push-Content für Fotobuch-Anwendungen. NFC wird unter BLE an Bedeutung verlieren, aber für bestimmte Applikationen wie den bereits erwähnten NFC-Visitenkarten weiter in Frage kommen. Anbieter im Bereich E-Business Print für SmartTag-Anwendungen („Schalte mein Heim-Wifi ein“-SmartTag und Co.), also im Label-Bereich, sollte BLE auf jeden Fall ins Auge fassen. BLE lässt sich in absehbarer Zeit in dreidimensionale Druckprodukte wie Doomed Sticker integrieren, denn die Beacons werden noch kompakter werden als die Pionier-Dinge von StickNFind, Estimote und Roximity. Oder die BLE-Dinge werden selber zum Bedruckstoff – oder gleich selber gedruckt. Wer weiß, vielleicht ist der Zeitpunkt nicht allzu fern, an dem sich ein BLE-Beacon auch flach in/auf Papier integrieren lässt, denn Schaltungen lassen sich auch drucken und flache, papierartige Stromversorgungen gibt es ebenfalls schon. Damit hätte die Druckindustrie dann auch einen weiteren, dringend benötigten und zukunftsfähigen Rückkanal für bedrucktes Papier anzubieten: Augmented Print im Web 3.0.

Redaktion EPOS
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Hier schreibt die Redaktion der EPOS Studie zu Themen rund um Online Print, Web-to-Print Systeme, Editor, MIS (Print), Brandmanagement Systeme oder Remote Publishing Lösungen. Und ab und zu querbeet.

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